Ausstellung  Die Welt in 100 Jahren

Vor mittlerweile mehr als 100 Jahren ersann der belgische Bibliothekar und Friedensaktivist Paul Otlet die Idee vom „universellen Buch“. Eine Vision, die erst heute mit dem Internet und offenen Anwendungen wie Wikipedia Realität wurde (Stichwort: user-generated content). Otlet nahm wesentliche technologische Entwicklungen vorweg und verstand schon zu seiner Zeit den Nutzen von kooperativen und offenen Kommunikationssystemen.

 

Hier ein kurzer Film über Paul Otlets „book on the book“ – mithilfe seiner persönlichen Skizzen dargestellt.


Leider brachte Otlets Überzeugung, dass Wissen & Information allgemein und jedem zugänglich sein sollte, nicht den gewünschten friedensstiftenden Erfolg und die meisten seiner Initiativen wurden Opfer des 2. Weltkrieges. 2010 wurde Paul Otlet aber im Linzer Ars Electronica Center eine umfassende Ausstellung gewidmet und sein Schaffen wurde gemeinsam mit den phantastischen Zeichnungen des französischen Schriftstellers Albert Robida präsentiert. In Zusammenarbeit mit Vandasye war es unsere Aufgabe, die Ausstellung zu gestalten.

Während der Recherche zum Projekt wurden wir auf gewisse Begriffle aufmerksam, die Otlet zum ersten Mal verwendete. Darunter war beispielsweise der (Hyper-) Link als Beschreibung einer inhaltlichen Verknüpfung. Die Summe aller inhaltlichen Querverweise nannte er den „Sozialraum eines Dokuments“.

Gleichzeitig lernten wir, dass Otlet mit dem Wiener Ökonomen Otto Neurath befreundet war, dessen Arbeiten zur Informations-Vermittlung (damals Volksbildung) einen ähnlichen humanistischen Anspruch hatten. Er entwickelte die sogenannte Wiener Methode für Bildstatistik (Isotype), die eine normierte und systematische Anwendung von Bildinformation empfiehlt und als Vorläufer der uns heute geläufigen Piktogramme gilt. Komplexe ökonmische oder gesellschaftliche Zusammenhänge konnten so einfach und allgemein verständlich vermittelt werden.

Sowohl Otlets Verständnis von vernetzter Information sowie Neuraths Konventionen einer vereinfachten, für alle verständlichen Bildsprache bildeten die Grundlage für unser Konzept zur Ausstellungsgestaltung. Wir erarbeiteten ein analoges Informationsnetz, durch welches die Besucher durch die Zeit reisen konnten sowie mittels analoger „Links“ Querverbindungen herstellen konnten.


 

Die Skizzen & Zeichnungen Paul Otlets sowie das Erscheinungsbild der von Gerd Arntz entwickelten Isotypen waren die Vorlage für die Illustrationen.

Ausstellungsansichten